Heute habe ich wie versprochen meine Tour nach Cartago gemacht. Bei
sonnigem Wetter spazierte ich heute ganz ohne die Unterstützung von
Kaffe, oder Sonnencreme bis auf die andere Seite der Stadt. Denn nur
von dort fährt der Buss nach Cartago. Ganze 50 Cent umgerechnet, oder
520 colónes hat mich der Spaß gekostet die 22 Kilometer zurückzulegen.
Ich frage mich, wie die Menschen das hier bezahlen sollen... Naja,
kann ja nicht alles so günstig sein wie die BVG. Ein Hoch auf die BVG!
Dort angekommen sprang ich bei der ersten Gelegenheit aus dem Bus,
weil ich annahm, dass Cartago eine ganz kleine Stadt sein muss und der
Bus noch bis Turrialba, also 30 Kilometer weiter fuhr. Tja, Cartago
ist nicht so klein wie ich dachte. Also lief ich insgesamt circa eine
Stunde bis ins Zentrum. Jetzt habe ich wenigens den Dreh raus, wenn
ich mich sogar in einer völlig fremden Stadt, völlig ohne Straßennamen
orientieren kann. Man muss immer nach Auffälligkeiten gucken, wie
Parks, Kirchen, oder wenn möglich, nach Hauptstraßen. Machen die Ticos
hier ganz genauso. Sie kennen die offiziellen Bezeichnungen der
Straßen nämlich auch nicht.
Ist sowieso total willkürlich benannt. Das einzige, was System hat,
ist dass Straßen von Ost nach West immer Avenidas sind und Straßen von
Nord nach Süd immer Calles. Auf Calle 2 folgt zum Beispiel die Nummer
17 und dann die 7. Habt ihr das System erkannt? Richtig.
So, dort war ich dann schon total vertrocknet und quasi nur noch ein
laufendes Gerippe. Deshalb ging ich wieder in die nächste Panaderia
(Bäckerei).
Weiter ging es dann zur Basilica de Nuestra Senora de los Àngeles, der
Grund, warum es überhaupt noch Cartago gibt. Wie ich schon gestern
schrieb ist die Kirche unglaublich wichtig, weil hier nämlich im Jahr
1635 eine Eingeborene ein circa 1 Meter große Holzpuppe fand, die
wahrscheinlich von den Ureinwohnern hergestellt wurde. Sie nahm die
Puppe mit nach Hause und war am nächsten Tag nicht mehr bei ihr,
sondern wieder an dem Platz, wo sie sie gefunden hatte. Das Spiel
wiederholte sich noch ein weiteres Mal. Und deshalb wurde um die Puppe
herum eine Kirche gebaut und die Puppe selbst mit Diamanten und Gold
komplett verpackt. Ich habe mal ein Foto mit hochgeladen. Sie ist
heute in der Mitte des Altars. Ich konnte sie jedenfalls nicht
entdecken. Sie heißt La Negrita, was so viel wie "Die schwarze
Jungfrau" bedeutet, denn offensichtlich war sie schwarz. Naja heute
ist sie das wichtigste Heiligtum des Landes und die Patronin des
Landes.
Das nenne ich mal eine Karriere.
Die Kirche selbst wurde mehrfach von dem angrenzenden Vulkan Irazú und
Erdbeben zerstört. Die Puppe selbst blieb aber immer gut verpackt
erhalten. Die Bilder von der Kirche habe ich schon selektiert und
immer noch sind es so viele. Die Kirche ist wirklich sehr schön!
Leider konnte ich nicht alles fotografieren, weil in dem
Eingangsbereich, wo die gigantische Orgel steht leider gerade
renoviert wurde. Die Säulen wurden kurz zuvor mit neuen Blattgold
aufgefrischt und überall lag noch Gold herum. Das ist auf dem Foto
Nummer 6 von der Kirche gut zu sehen. Wahrscheinlich heißt das hier
deshalb Costa Rica (reiche Küste), weil hier überall Gold ist.
Danach ging ich die Orte besuchen, an denen ich vorher vorbei gelaufen
war. Das war das Tribulal de Justicia, was nicht so interessant war
und die "Las Ruinas de la Parroquia", eine Kirche die in einem
Erdbeben zerstört wurde, und nicht wieder aufgebaut wurde. Heute steht
nur noch die Grundmauer und es ist ein beliebter Ort zum entspannen.
Überall saßen Menschen auf dem Rasen, in und um die Kirche herum.
Bei der Kirche gibt es eine Legende, wonach ein Kopfloser Mönch-Geist
bei Nebel durch die Kirche laufen soll. War zum Glück kein Nebel und
so musste ich mich nicht gruseln.
So, 2 Stunden später und knapp 50 Cent ärmer war ich wieder in San
José und lief wieder Richtung Herberge. Diesmal wieder in einem
komplett anderen Teil der Stadt und ich benötigte die Hilfe einiger
Ticos, um wieder auf Kurs zu kommen. Mit der Karte kamen sie nicht gut
zurecht. Dafür habe ich mich aber sehr gut mit ihnen Unterhalten. 2
von ihnen waren Taxifahrer und versuchten mich sehr subtil zu einer
Taxifahrt ins Hotel zu überreden, aber ich lief trotzdem. Die Ticos
blieben wirklich sehr nett, als als ich nicht mitfuhr.
Ich fand auf dem Rückweg in einem der zahlreichen Obstläden Kokusnüsse
und fragte, ob ich eine davon trinken könnte. Während der Obsthändler
meine Kokusnuss zerhackte fragte mich der Kunde hinter mir intensivst
aus, woher ich komme, ob es mir hier gefällt und wo ich jetzt wohne.
Man kann von mir auch ein Foto sehen, wie ich gerade die Kokusnuss
trinke. Allerdings musste ich mich beeilen, weil es verdammt peinlich
ist sich in de Öffentlichkeit mit einer Kokusnuss zu fotografieren.
Deshalb gucke ich auch so blöd.
Zurück in der Innerstadt machte ich noch mal einen Abstecher auf dem
Plaza del la Cultura, unter dem sich das Goldmuseum mit der
Bunkerflair befindet. Ich wollte mal ein Foto von den Diabetes Tauben
machen, denn viele von ihnen hatten verkrüppelte Füße. Ich überlegt,
ob ich nicht auch noch ein wenig Brot verfüttern wollte, ließ es aber
sein.
Noch mal eine Anmerkung zu dem Foto, was noch von gestern Abend ist
und was ich Drogen getauft habe. Einer der 3 Wirte wollte Ivan und mir
unbedingt seine Erfindung zeigen, mit der man 6 mal schneller Pflanzen
züchten kann. Sein Aufbau ist der Tisch in der Mitte mit den Pflanzen
drin. Laut eigener Aussage hat er bereits 25000 Dollar in das Projekt
investiert. Rausgekommen ist der Tisch. Ivan (rechts auf dem Foto) und ich waren sehr
beeindruckt.
Offensichtlich arbeitet er als Investment Banker
(behauptet er jedenfalls) und will sich mit Hydrokulturen ein zweites
Standbein aufbauen. Dafür wird er aber sehr wenig Zeit finden, da er
spätestens ab 7 Uhr heftig stoned ist (für die Älteren: unter
Drogeneinfluß) und dann nur noch sehr langsam spricht, dafür aber Wii
spielt (für die Älteren: Videospiele spielt). Er sorgt in der Küche
mit seinem Hobby für ein würziges Aroma.
Gestern wollte er mir unbedingt eine Ananas auf den Rücken sprayen,
die ich optional für 15% Preisnachlass auch tätowieren lassen kann.
Ich denke noch drüber nach.
So lange ich denke freunde ich mich mal mit den 3 deutschen Mädchen
an, mit den ich ab jetzt mein Zimmer teilen werde. Nebenher läuft hier
im Fernsehen, wie man auf 1000 verschiedene Arten sterben kann. Jede
Version wird anschaulich mit gläsernen Menschen animiert. Sehr
kulturvoll ;-)
Aktuell: Qecksilbervergiftung
So ich nehme mir jetzt ein Bier (für die Älteren: eine Brause).
PS: Ich habe jetzt einen Platz in Pacuare. Später mehr dazu ;-)
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